Wie wird ein verkürztes Zungenband behandelt?
Die Entscheidung für eine Behandlung ist immer individuell. Es gibt keinen „Automatismus“ – das heißt, nicht jedes Zungenbändchen muss sofort operiert werden. Die Behandlung orientiert sich an drei wesentlichen Fragen:
- Liegt eine funktionelle Einschränkung vor?
- Wie stark ist diese ausgeprägt?
- Wie sehr belastet die Situation das Kind und den Familienalltag (z. B. beim Stillen)?
Wenn eine Therapie notwendig ist, basiert diese in der Regel auf drei wichtigen Bausteinen:
1. Fachliche funktionelle Diagnostik
Bevor gehandelt wird, erfolgt eine strukturierte Untersuchung. Hierbei wird nicht nur die Anatomie des Zungenbands betrachtet, sondern vor allem die Beweglichkeit der Zunge. Bei Babys liegt der Fokus besonders auf der Saug- und Trinkfunktion, um sicherzustellen, dass sie effektiv und schmerzfrei trinken können.
2. Die Frenotomie (Der Eingriff)
Wenn die Diagnose zeigt, dass eine Lösung des Bandes notwendig ist, kann dies durch einen kleinen chirurgischen Eingriff erfolgen.
- Wer führt den Eingriff durch? Die Frenotomie sollte ausschließlich von spezialisierten Ärzten oder Zahnärztendurchgeführt werden, die über fundierte Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen.
- Wie ist der Ablauf? Je nach Expertise des Behandlers und individuellem Befund kann der Eingriff mit einer Schere, einem Laser oder einem Skalpell erfolgen.
- Komfort & Sicherheit: Um Ihrem Baby den Eingriff so angenehm wie möglich zu machen, wird eine lokale Betäubung empfohlen. Das Verfahren ist in der Regel kurz und risikoarm. Dennoch ist uns wichtig, dass Sie sich im Vorfeld in einem Beratungsgespräch über alle Details und mögliche Risiken aufgeklärt fühlen.
Wichtig zu wissen: Der Eingriff allein ist oft nur der erste Schritt. Er schafft die Freiheit für die Bewegung, aber die Zunge muss meist erst „lernen“, diesen neuen Spielraum auch zu nutzen.
3. Begleitende Therapie und Betreuung
Damit der Erfolg nachhaltig ist, muss die neue Beweglichkeit funktionell in den Alltag integriert werden. Dies geschieht durch:
- Fachkundige Stillbegleitung oder Fütterberatung (besonders bei Babys).
- Orofaziale Therapie oder Logopädie (bei Kleinkindern und Erwachsenen).
- Gezielte Übungen, die Ihnen helfen, die Beweglichkeit spielerisch zu fördern.
Meine Empfehlung für Sie als Eltern
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind ein verkürztes Zungenband hat:
- Lassen Sie nicht nur „kurz schauen“, sondern bestehen Sie auf eine funktionelle Beurteilung.
- Achten Sie darauf, dass die gesamte Still- oder Füttersituation ganzheitlich betrachtet wird.
- Nutzen Sie interdisziplinäre Unterstützung (Stillberatung, Logopädie und spezialisierte Mediziner arbeiten hier Hand in Hand).
Eine gute Begleitung hilft Ihnen, vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden und gleichzeitig notwendige Schritte rechtzeitig und sicher zu gehen.
Ein abschließender Gedanke
Ein verkürztes Zungenband ist kein medizinischer Notfall – aber es ist ein Thema, das Aufmerksamkeit verdient.
Nicht aus Angst, sondern aus Fürsorge.
Nicht mit Druck, sondern mit Klarheit.
Und niemals isoliert betrachtet, sondern immer im Hinblick auf die gesunde Entwicklung Ihres Kindes.
Eine fundierte Abklärung schafft Ruhe und gibt Ihnen die Sicherheit, die beste Entscheidung für Ihre Familie zu treffen.
Liebe Grüße, Fernanda Perin
